ANNA. Den Tränen nah.

Den Auftakt der neuen Saturn Kampagne macht Anna. Ein Spot, der in allererster Linie eins ist, unglaublich toll produziert. Passend zur Weihnachtszeit drückt einem die Atmosphäre und Story des offensichtlich dementen älteren Herren so richtig auf die Tränendrüsen:

Offensichtlich ist eins, der Spot ist toll. Man fühlt sich direkt in die Situation gezogen, sicherlich auch dank der toll spielenden Darsteller. Ähnlich dem riesen Erfolg „Heimkommen“ für Edeka (www.youtube.com/watch?v=V6-0kYhqoRo) haut Jung von Matt den Spot passend zur besinnlichen Herbst- und Vorweihnachtszeit raus. Menschen sind hier ja generell anfällig für emotionale Familienthemen. Fortgesetzt wird die Kampagne mit ähnlich ergreifenden Spots auf www.saturn.de/dukannstmehr. Beim Wechsel auf die Landingpage wird für mich einer der beiden Kritikpunkte deutlich: Deplaziert!

Die Spots bauen eine emotionale Welt und Erwartung auf, die in meinen Augen niemand, der je einen Schritt in einen Saturn-Markt gewagt hat, nachvollziehen kann. Mein ersten Gedanken an Saturn sind an neuen Smartphones daddelnde Teenies, überdimensionierte TV-Geräte die sich zu grell flackernden Leuchtwänden formieren, drängelnde Menschen in Gängen und mindestens ein Kind, das von genervten Eltern in Richtung Ausgang gezogen wird. Die Landingpage macht genau das deutlich, die vier wirklich(!) tollen Spots erwarten den Besucher auf dunklem Hintergrund nur um direkt darunter Werbung für Alben zu machen „MEMORY PLAYLIST – WELCHER SONG ERINNERT DICH AN DEINE JUGEND?“ Darauf folgend „Ideen für mehr Zeit: Gegner putzen und dabei die Reste aufsaugen.“; Werbung für einen Saugroboter. Schnell hat man das Gefühl, der ältere Herr aus dem Spot Anna ist nicht verloren im Altenheim, sondern überfordert an einem Adventssonntag im Saturn Markt um die Ecke. Brücken lassen sich eleganter schlagen!

Unklarer Absender

Der Kritikpunkt, der mir den Erfolgsspot von EDEKA bereits schwierig gemacht hat, trifft auch in der aktuellen Saturn Kampagne zu: Wer ist der Absender des Spots? Im Falle von Anna kommen für mich Altersvorsorge, Altenpflege, Krankenkassen und Spendensammler in Frage, lange bevor ich an Saturn denke. Vermutlich taucht auch deshalb bereits sehr früh ein kleines Saturn Logo am unteren Rand des Spots auf.

Den besten Treffer in der Reihe der Spots liefert für mich „Schlaflos“. Die Stimmung des Spots ist sehr nah an der Marke Saturn und durch die Express-Lieferung der Waschmaschine wird eine Dienstleistung klar benannt.

Vielleicht tue ich Saturn unrecht und in Kürze erfolgt die Abkehr vom „Geiz ist Geil“-Image hinzu einer emotional aufgelandenen, Service orientierten Marke. In unseren Zeiten wünschenswert, im preislich umkämpfenden Elektronikmarkt jedoch eher unwahrscheinlich. Der nächste emotionale Höhepunkt dürfte somit in gut 12 Monaten zur Weihnachtszeit 2018 einsetzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.